Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum: Urs Wesemann (rechts) mit Laki und Pius Limacher (links).
Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum: Urs Wesemann (rechts) mit Laki und Pius Limacher (links).

100 Jahre Carrosserie Wesemann – die André Koch AG gratuliert

Urs Wesemann hatte den Champagner schon kaltgestellt. Doch wegen Corona musste die Feier abgesagt werden. Die Gratulanten mussten andere Wege finden, dem Jubilaren ihre Aufwartung zu machen. Die André Koch AG zum Beispiel entsandte «Laki dä Autolackierer» mit einem Geschenk nach Zug.

 

Die Feierlichkeiten hätten am 30. und 31. Oktober mit einer Abendveranstaltung und einem Tag der offenen Tür stattfinden sollen. Doch Urs Wesemann blieb wegen der immer schneller steigenden Corona-Fallzahlen keine Wahl, am 14. Oktober musste er die Jubiläumsfeier absagen. «Der Entscheid ist mir natürlich nicht leichtgefallen, aber bei dieser Covid19-Situation wäre keine gute Stimmung aufgekommen», erklärt Urs Wesemann.

 

Nur das Essen war noch nicht bestellt, der Rest wäre bereit gewesen für das grosse Fest. Der Carrossier hatte auf den Event hin seinen sonst schon topmodernen Betrieb nochmals aufgerüstet. So wurde erst im Sommer der Mischraum vom Standox Lackpartner André Koch AG komplett neu eingerichtet. Damit ist die Carrosserie Urs Wesemann einer der wenigen Betriebe, der in der Lage ist, die Coloristik komplett digital durchzuführen. Dank neusten Systemen wie dem Daisy Wheel, einem 100 Prozent digitalen Mischsystem, und dem modernsten Farbtonspektrometer Genius iQ erfüllen Wesemann und sein Team die höchsten Ansprüche.

 

Bedürfnisse stets angepasst

Zum Jubiläum des guten Kunden hat sich die André Koch AG etwas Besonderes einfallen lassen. Der Urdorfer Lacklieferant liess ein Messingschild mit den besten Wünschen prägen. Überbracht wurde das Präsent vom André-Koch-Maskottchen «Laki, dä Autolackierer» und dem für die Carrosserie Wesemann zuständigen Verkaufsberater Pius Limacher. Enzo Santarsiero, der CEO der André Koch AG, konnte bei der Geschenkübergabe leider nicht dabei sein, deshalb richtet er schriftlich einige Worte an den Jubilaren: «Unser erfolgreicher und zertifizierter Repanet-Suisse-Kunde ist für mich ein Musterbetrieb. Die Firma hat sich in den letzten 100 Jahren stets den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Urs Wesemann hat intensiv in eine moderne, kundenorientierte Carrosserie investiert. Die Unternehmung ist bereits heute bereit, die hohen Herausforderung der Zukunft zu meistern. Nebst vielen technologischen und strukturellen Erneuerungen wurde unter anderem viel in die Coloristik investiert. Sie gehören zu den wenigen Betrieben, welchen den gesamten Prozesskomplett digital durchführen können. Zudem ist das Personal laufend in der Weiterbildung. Wir sind stolz die Carrosserie Urs Wesemann als treuen Referenzkunden zu haben. Das André-Koch-Team wünscht der Firma weiterhin viele tolle, erfolgreiche und gesunde Jahre.»

 

Eine Geschichte, die sich zu erzählen lohnt

Urs Wesemann hatte auch schon die Plakate für die Ausstellung gedruckt, welche die Besucher durch die 100-jährige Geschichte der Carrosserie Wesemann geführt hätte. Es wäre schade, wenn man die Geschichte nicht trotzdem erzählen würde. Im Jahr 1897 eröffnete Urgrossvater Johann Wesemann, ein dynamischer Handwerksmeister, ein Malergeschäft auf dem Platz Zug. Zusammen mit seinen beiden Söhnen Hans und Fritz gründete er 1920 die erste Autolackiererei im Kanton Zug.

 

Nachdem Johann Wesemann 1924 starb, wurde die Firma, bestehend aus dem Malergeschäft und der Autolackiererei, unter dem Namen Wwe. Wesemann & Söhne bis 1927 weitergeführt. Dann übernahmen die beiden Brüder Hans und Fritz das Geschäft in der Form der Kollektivgesellschaft «Gebr. Wesemann». 1929 liessen die beiden Brüder an der Baarerstrasse 38 in Zug ein modernes Geschäftshaus bauen, in dem auch der Autolackierbetrieb untergebracht war. Die Krisenzeit der 1930er-Jahre und der nachfolgende 2. Weltkrieg sorgten für grosse Probleme finanzieller Art. Hinzu kam die umwälzend neue Arbeitsmethode des Farbspritzens, die auch zuerst mit viel Aufwand erprobt werden musste. Die Autolackiererei fuhr während einiger Jahre Verluste ein und konnte nur dank der Malerei weiterbestehen.

 

Der grosse Autoboom

Als nach dem Krieg der grosse Autoboom einsetzte, waren die Verdienstmöglichkeiten bedeutend besser. 1952 entschieden sich die beiden Brüder, die Firma Gebrüder Wesemann aufzuteilen. Hans Wesemann führte das Malergeschäft weiter. Fritz Wesemann erweiterte die Autolackiererei mit Ausdauer und grossem Einsatz. Einrichtungen und Materialien wurden laufend verbessert. Noch an der Baarerstrasse 38 wurden die erste Spritz- und Einbrennkabine für Personenwagen und eine gasbeheizte Spritzkabine für Autobusse eingebaut. Nach Absolvierung der Handelsschule entschied sich Fritz’ Sohn Ivo, ebenfalls den Beruf seines Vaters zu erlernen. 1952 begann er bei Gottlieb Strickler in Zürich die Lehre als Auto- und Wagenlackierer. Ab 1956 arbeitete er im elterlichen Betrieb, wo er seine Kenntnisse weiter verbesserte.

 

1970 liess Fritz Wesemann am jetzigen Standort am Franz-Rittmeyer-Weg ein neues Wohn- und Geschäftshaus bauen und verkaufte das Haus an der Baarerstrasse. Er wurde durch die Umstände, wie zu wenig Parkplätze an der Gubelstrasse und zunehmender Verkehr in der Stadt, zu diesem Schritt gezwungen. Kurz vor dem Einzug in die neuen, für die damaligen Verhältnisse modern eingerichteten Räume übergab Fritz Wesemann im Januar 1971 das Geschäft seinem Sohn Ivo.

 

Betrieb um Autospenglerei erweitert

1984 eröffnete Ivo Wesemann zusätzlich eine Autospenglerei. So können Unfallschäden unter einem Dach behoben werden, was für ihn und die Kundschaft ein grosser Vorteil ist. Die schon sehr lange gepflegte Schriftenmalerei wurde bis jetzt mit Erfolg weitergeführt. Der Betrieb wurde immer wieder modernisiert. Im Jahre 1988 begann Ivos Sohn Urs die Lehre als Autolackierer und er schloss sie mit Erfolg 1991 ab.

 

2001 übernahm Urs Wesemann den Familienbetrieb in der 4. Generation. Was vor 100 Jahren als einfache Malerei begann, ist heute ein moderner Lackier- und Carrosseriefachbetrieb mit über zehn Mitarbeitenden. 2011 wurde der Standort durch die neuen Multiarbeitsplätze erweitert. 2019 wurde im Untergeschoss des Gebäudes eine neue moderne Autospenglerei eingerichtet.

 

 

Text und Bild: Mario Borri